Die Geschichte des Ruhrgebietes
Allgemein:
"Die Gegenden, durch welche mein
Weg führte, gehörten einer anmutigen und sanften Natur an,
besonders bei Steele an der Ruhr, ein Ort, für den gemacht, der sich
vom Getümmel des Lebens in heitre Einsamkeit wünscht. Nicht
sattsehen konnte ich mich an der saftig frischen Vegetation, den
prachtvollen Eich- und Buchenwäldern, die rechts und links die Berge
krönen, zuweilen sich über die Straße hinzogen, dann wieder in
weite Ferne zurückwichen, aber überall den fruchtbaren Boden
bekränzten, braun und rot schattiert, wo er frisch geackert war,
hell oder dunkelgrün schimmernd, wo junges Untersaat und frischer
Klee ihn bedecken.
Jedes Dorf umgibt ein Hain schön
belaubter Bäume, und nichts übertrifft die Üppigkeit der Wiesen,
durch welche sich die Ruhr in seltsamsten Krümmungen schlängelt.
Ich dachte lachend, daß, wenn einem prophezeit würde an der Ruhr zu
sterben, er sich hier niederlassen müsse, um auf eine angenehme
Weise diese Prophezeiung zugleich zu erfüllen und zu entkräften"
(Hermann Fürst Pückler-Muskau 1826, S. 128).
"Die Zukunft der Metropolregion Rhein-Ruhr ist wichtig für ganz Deutschland. Zwischen Dortmund und Köln leben und arbeiten so viele Menschen wie in Berlin, Hamburg und München zusammen. Hier [...] entsteht eine Metropole, deren Wirtschaftskraft wichtige Impulse für ganz Deutschland [...] geben muss und wird" (Horstmann 2003, S. 1).
Als Ruhrgebiet gilt im Allgemeinen der Bereich des Regionalverbands Ruhrgebiet. Das vielfach als einheitliche Stadtregion wahrgenommene Ruhrgebiet hat an mehreren Landschaften Anteil. Es liegt verwaltungstechnisch im Übergangsbereich verschiedener Regierungsbezirke. Die aktuellen Verwaltungsgrenzen lassen sich teils historisch aus der Entwicklung verschiedener weltlicher und geistlicher Territorien und später preußischer Provinzen in der Region erklären.
Im Mittelalter bildeten sich in der Region Grafenterritorien heraus, wovon die wichtigsten die der Grafen von Berg, der Grafen von der Mark und der Grafen von Kleve waren. Bereits damals bestand mit dem Hellweg eine wichtige wirtschaftliche Verbindungsachse der Region. Im Verlauf der Straße entwickelten sich die wichtigsten Städte der Region. Seit Ende des 14. Jh. waren die Grafen von der Mark in Personalunion Grafen, später Herzöge von Kleve. Ab 1521 waren alle drei vorgenannten Territorien im Gebiet der Vereinigten Herzogtümer unter einer gemeinsamen Herrschaft zusammengeführt. 1609 fielen Kleve und Mark an Brandenburg, womit der Beginn einer Entwicklung zu preußischer Herrschaft in der Region gegeben war. Bis zum Beginn des 19. Jh. übernahm Preußen schließlich auch die Herrschaft über einige kleinere Territorien der Ruhrregion, beispielsweise über die geistlichen Territorien von Werden und Essen. Schlussendlich wurde auch das Gebiet der Grafschaft Dortmund noch unter preußische Herrschaft gebracht. Damit war die Vielzahl der aus dem Mittelalter überkommenen Territorien endgültig an einen Herrscher gefallen, die Entwicklung der Industrieregion in einem Rechtssystem war möglich geworden. Lediglich die Verwaltungsgrenzen preußischer Provinzen verliefen innerhalb des entstehenden Ruhrgebiets. In Form von Regierungsbezirksgrenzen sind sie bis in die Gegenwart erhalten. 1946 wurde das Land Nordrhein-Westfalen um das Ruhrgebiet gebildet. Die Industrieregion galt als entscheidend für die Kontrolle der deutschen Wirtschaft der Wiederaufbauzeit und sollte vor französischem oder sowjetischem Zugriff geschützt werden. Die geplante Schaffung eines Regionalpräsidiums für das Ruhrgebiet wird die wirtschaftlich einheitliche Entwicklung der Region in einem reformierten Verwaltungssystem des Landes berücksichtigen.
Das Ruhrgebiet ist mit über fünf Millionen Einwohnern und einer Fläche von etwa 4.435 Quadratkilometern der größte Ballungsraum Deutschlands und der fünftgrößte Europas. Es ist nach dem Fluss Ruhr benannt und stellt den dicht besiedelten Zentralraum des deutschen Landes Nordrhein-Westfalen dar. Mit seinem Umland und einem Teil der Kölner Bucht bildet es die Metropolregion Rhein-Ruhr, in der über zehn Millionen Menschen leben und der ein Gebiet von rund 7.000 Quadratkilometern zugerechnet wird.
Das Ruhrgebiet besteht mehrheitlich aus einer Reihe von zusammengewachsenen Großstädten. Von den Ansiedlungen am mittleren Niederrhein geht die Städtelandschaft nach Westen nahtlos in den Rhein-Ruhr-Raum und nach Süden in die Rheinschiene über. Die Oberzentren der Region entstanden bereits im Mittelalter entlang des westfälischen Hellwegs und erreichten ihre heutige Ausdehnung und Struktur mit der Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert.
Im Allgemeinen sind die „Grenzen“ auf den 1920 gegründeten Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk zurückzuführen, dem heutigen Regionalverband Ruhr (RVR). Zum RVR gehören die kreisfreien Städte Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen sowie die Kreise Recklinghausen, Unna, Wesel und der Ennepe-Ruhr-Kreis. Die Daten im Folgenden beziehen sich daher auf dieses Verwaltungsgebiet. Der Begriff „Ruhrgebiet“ ist jedoch keine offizielle Verwaltungsbezeichnung. Die genauen Grenzen sind interpretationsabhängig und die Städte und Kreise gehören auch den Landesteilen Rheinland und Westfalen an.
Das Ruhrgebiet ist im Jahr 2010 unter der Kurzbezeichnung RUHR.2010 neben Pécs (Ungarn) und Istanbul Kulturhauptstadt Europas.
Der Name „Ruhrgebiet“:
Die geläufigsten Bezeichnungen sind heute Ruhrgebiet und Revier. Die umgangssprachlichen Begriffe Kohlenpott, Ruhrpott oder einfach Pott (von Pütt für Bergwerk, vgl. lat.: puteus = Brunnen, engl.: pit = Grube und deutsch: Pfütze = mit Wasser gefüllte Grube) sind in der Bevölkerung weit verbreitete Eigenbezeichnungen der Kernregion des Ruhrgebiets.
Lange Zeit wurden verschiedene Namen für die Region benutzt: „Rheinisch-Westfälischer Industriebezirk“, „Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet“, „Niederrheinisch-Westfälisches Industriegebiet“ oder „Ruhrrevier“ – während das Wort „Ruhrgebiet“ zunächst nur den Einzugsbereich des Flusses Ruhr benannte. Die Bezeichnungen finden heute jedoch in der Form kaum noch Verwendung. Der besondere Eigenwert und der Begriff des Ruhrgebiets wurden erst während der 1920er Jahre geprägt. Als Name für die Industrieregion – wie im heutigen Sinn – bürgerte sich die Bezeichnung „Ruhrgebiet“ erst um 1930 ein. Zuvor sprach man noch vom Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet und schloss damit auch Gebiete ein, die nicht zum Ruhrgebiet zählen, wie beispielsweise das industriell geprägte Gebiet um Wuppertal und Düsseldorf. Im eigentlichen Sinne müsste die Kernregion des Ballungszentrums aufgrund ihrer geografischen Lage jedoch eher Emschergebiet heißen.
Zum Ruhrgebiet gehören die kreisfreien Städte Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen sowie der Ennepe-Ruhr-Kreis und die Kreise Recklinghausen, Unna und Wesel.
Neudeutsch:
Als neueste Bezeichnung für das Ruhrgebiet wird mittlerweile aus Marketinggründen die Bezeichnung Metropole Ruhr verwendet. Im rheinischen Ruhrgebiet im Zusammenhang mit der Rheinschiene wird meistens der Begriff „Rhein-Ruhr“ und „Rhein-Ruhr-Raum“ verwendet.
Kohlebergbau:
Seit Beginn der Kohlekrise im Jahr 1957 befindet sich das Ruhrgebiet in einer anhaltenden Phase des Strukturwandels, der von wirtschaftlichen Anpassungsschwierigkeiten gekennzeichnet ist. Mittels staatlicher Subventionen versuchte man die negativen Folgen zu begrenzen. Steinkohleförderung und Stahlindustrie waren stark rückläufig. 2009 gab es im Ruhrgebiet nur noch vier fördernde Bergwerke, nämlich West, Prosper-Haniel, Auguste Victoria und Ost. Hinzu kommen drei Kokereien: die Kokerei Prosper in Bottrop, die Kokerei Schwelgern in Duisburg und die Hüttenwerke Krupp Mannesmann.
Bewohner:
Eine allgemein anerkannte Eigenbezeichnung der im Ruhrgebiet lebenden Menschen existiert nicht. Die meisten Bewohner sehen sich eher als Einwohner einer der Städte, würden sich selbst also als Dortmunder, Essener etc. bezeichnen. Gelegentlich findet sich aber die Bezeichnung „Ruhri“, wenn zum Ausdruck gebracht werden soll, dass das gesamte Ruhrgebiet als Heimatregion gemeint ist. Die Verwendung dieses Begriffs durch Außenstehende kann aber auch (wegen ihres diminutiven Charakters) zu Irritationen führen oder gar als despektierlich empfunden werden. Ende 2008 wurde eine Imagekampagne „Ruhri.2010“ gestartet, die den Begriff bekannter machte. Der Westdeutsche Rundfunk benutzt den Begriff „Ruhri der Woche“ regelmäßig in seinem Regionalprogramm.
Im Ruhrgebiet wird Karneval gefeiert. Umzüge finden in zahlreichen Städten statt. Im Archiv der Stadt Duisburg befindet sich die erste überhaupt in deutsch geschriebene Stadtrechnung aus dem Jahre 1377, aus der hervorgeht, dass die Ratsherren und die Bürgerschaft ausgiebig Fastabend („Vastavent“) feierten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden in Duisburg die ersten Karnevalsgesellschaften gegründet. Den ersten Anlauf zur Etablierung eines Rosenmontagszuges in Duisburg geht auf das Jahr 1928 zurück.
Schrebergarten:
Der Schrebergarten gehört zum Ruhrgebiet dazu, ebenso wie die Sprache und seine Bewohner. Die Größe und Anzahle der Schrebergarten-/Kleingartenvereine allein macht deutlich, wie bedeutungsvoll sie für die Menschen in dieser Region sind. Der Schrebergarten hat für die Besitzer viele Bedeutungen. Für den einen ist eine grüne Oase in mitten dem Alltagsstress, für den anderen eine Möglichkeit, den Kindern in der Grossstadt die Natur näher zu bringen, für den nächsten hat der Garten eine ganz eigene Bedeutung, z.B. Tradition.
Die große Bedeutung lässt sich alleine mit der Länge der Wartelisten für eine Parzelle belegen.
Die Stadtspitze Essens war dagegen anderer Meinung und hat die Bewerbung einiger Kleingartenvereine zur RUHR2010 abgelehnt, mit der Begründung, das Schrebergärten keine größere Bedeutung für die Kultur des Ruhrgebiets hätten. Stattdessen wurden z.B. internationale Künstler bevorzugt.
Sprache:
Als Ruhrdeutsch
wird der mündliche Sprachgebrauch im Ruhrgebiet bezeichnet (in der
Region auch Ruhrpott, Ruhrpöttisch oder Kumpelsprache genannt). Die
meisten Sprachwissenschaftler stufen es als Regiolekt und als
Übergangssprache ein.
Es handelt sich um eine am Ende des 19.
Jahrhunderts entstandene Varietät des Hochdeutschen. Sie weist
Einflüsse (Substrat) der alten niederdeutschen Mundarten am
Niederrhein und in Westfalen auf. Diese Einflüsse betreffen den
Satzbau, den Wortschatz und die Lautung. Hinzu kamen geringe
Einflüsse der slawischsprachigen Arbeitsmigranten aus Oberschlesien,
Masuren, Polen und Slowenien sowie aus dem Rotwelschen. Dazu kommen
einzelne Übernahmen aus den angrenzenden ripuarischen und
limburgischen Sprachen.
Eine Abgrenzung zu den
Sprachvarietäten des Umlandes des Ruhrgebiets ist schwierig. Im
heutigen Ruhrgebiet wurden vor der Industrialisierung in einer
breiten Zone entlang des Rheins niederfränkische Mundarten
gesprochen, östlich davon Westfälisch. Heute wird am Niederrhein
außerhalb der Agglomeration des Ruhrgebiets, also in der ländlich
geprägten Rheinzone des Ruhrgebiets, der Regiolekt niederrheinisches
Deutsch gesprochen, der sich in Aussprache, Intonation und weiteren
Merkmalen nur unscharf vom Ruhrdeutschen abhebt. In Städten wie
Duisburg, wo die städtische Umgangssprache niederrheinisch
mitgeprägt ist, klingt das Ruhrdeutsche daher anders als in
Dortmund, wo westfälische Einflüsse hervortreten.
Zur Entstehung des Ruhrdeutschen wurde vielfach behauptet, es sei aus einem Mischungsprozess entstanden, analog zur Zuwanderung im Laufe der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts. In Wirklichkeit, so Heinz H. Menge von der Ruhr-Universität Bochum, handelt es sich um eine einheimische Entwicklung. Um 1900 wurden die plattdeutschen Dialekte vom Hochdeutschen abgelöst, in einem Prozess, der Jahrzehntelang dauerte und während dem die Menschen in einer Diglossie-Situation lebten. Die Zuwanderer, die traditionell für den Entstehungsprozess verantwortlich gemacht werden, waren damals großteils noch gar nicht anwesend. Grammatische Varianten stellen in der Regel also niederdeutsches Substrat dar, schreibt Menge.
Die
ursprünglichen westfälischen und niederfränkischen Mundarten des
Ruhrgebiets sind heute nahezu vollständig durch das Hochdeutsche
abgelöst worden. Vereinzelt findet man noch Sprecher des
Niederdeutschen. Insbesondere das Mölmsch, das Mülheimer Platt,
weist Eigenheiten auf, die typisch rheinisch sind, so etwa bei der
Aussprache von G und CH. Auf der Internetseite der Stadt Mülheim an
der Ruhr finden sich viele Infos dazu, u. a. ein Mölmsch–Lexikon
mit ca. 3000 Wörtern. Als Sprachgrenze des Westfälischen zum
Niederrheinisch wird die Einheitsplurallinie herangezogen, die
nördlichste Linie des Rheinischen Fächers.
Auffällig ist,
dass sich dabei die Sprache in einzelnen Städten teilweise
unterschiedlich entwickelt hat. Beispiel: In Essen-Katernberg,
(Essen-Nordost), einer Region mit starker Zuwanderung aus dem Osten
wird mehrheitlich Ruhrdeutsch gesprochen. In Essen-Kettwig
(Essen-Südwest), südlich der Uerdinger Linie, und einer Region mit
starker Zuwanderung von Webern aus dem Aachener Raum spricht man
mehrheitlich Rheinisch.
Historisch gehörte die Region an Rhein, Ruhr, Emscher und Lippe zum niederfränkischen und niedersächsischen Sprachgebiet. Speziell konnten Niederrheinisch oder Westfälisch unterschieden werden. Doch ist die Zahl der Sprecher des Plattdeutschen inzwischen verschwindend gering. Die Pflege dieser historischen Sprachen ist zumeist bei speziellen Gruppen in Heimatvereinen zu finden. Auch Kurse an Volkshochschulen vermitteln vereinzelt noch den aktiven Gebrauch alter Dialekte. So wird in Mülheim beispielsweise seit 1984 Wir lernen „Mölmsch Platt“ angeboten.
Beispiele:
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"mach dat Mäh ma ei" = "streichel mal das Schaf" |
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"kommse ma bei die Omma bei" = "Komm mal zur Oma" |
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"Kommse bei mich bei" = "Kommst du zu mir" |
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"Mutter hol mich vonne Zeche, ich will nich mit die Schwatten duschen" (sacht man so) |
Als Beispiele für Beimischungen anderer
Sprachen sind zu nennen:
Mottek (Hammer) =
Polnisch
Maloche (Arbeit), Massel (Glück), Schikse (Mädchen) =
Jiddisch
Rabotti (lass gehen, arbeiten) = Russisch
aus dem
Lamäng (aus dem Handgelenk) = Französisch
Örnie (Ernie),
Kornettbeff (Corned Beef) = Englisch
Picobello (ordentlich), Monte
Schlacko (Halde) = Italienisch
karracho (mit Schwung) =
Spanisch
verdorri (verdammt) = Holländisch
Kasus Knaksus
(springender Punkt) = Lateinisch
Eschek (Esel), Aische (für türk.
Frau, eigentlich Fauenname) = Türkisch
Teilweise gibt es noch
Redewendungen aus der Bergmannssprache wie "hängen im Schacht
oder eben "ich will nich mit die Schwatten (Bergleute) duschen".
Besonders im
westfälischen Ruhrdeutsch wird das „r“ u. a. im Auslaut
praktisch durchgängig ersetzt durch einen Mischvokal aus stummem -e
und dunklem -a: „Kiiache“, „Doatmund“, „Eade“,
„Vatta“, „Kinda“, eine Ausspracheerscheinung, die im
Deutschen üblich ist, hier ist die r-Vokalisierung jedoch stärker
abgedunkelt. Der Gelsenkirchener Stadtteil Buer [buːɐ̯] spricht
sich demnach Buua aus, das Dehnungs-e längt dabei den Vokal u. In
der Kombination „-urg“ bzw. „-urch“ wird das „-r“
gebietsweise durch „i“ vokalisiert (Düüsbuich, duich,
fuichbaa).
Am Silbenende wird -ar, auch in den Schreibungen
'-ahr' und '-arr', als gelängtes 'a' gesprochen. So sind im
Ruhrdeutschen warten und waten in der Aussprache praktisch nicht zu
unterscheiden, ebenso wenig wie Bart und Bad oder Start, starrt und
Staat.
Der Vokal vor silbenauslautendem -r wird oft halb
gelängt: Steean (Stern), auch Stääan; Spooat (Sport),
„Gelsenkiiachen“. Auch hier gibt die Doppelschreibung der Vokale
die nur halbe Vokalverlängerung unzureichend wieder.
Auffällig
ist die Aussprache der Diphthonge au, ei, eu, äu vornehmlich im
westfälischen Teil des Ruhrdeutschen, bei denen der erste Vokal
leicht gelängt wird: wolln ma so saagen: waaisi aau nich war eine
legendäre Allround-Antwort von Jürgen von Manger. Auch hier
übertreibt die Vokalverdoppelung in der Schreibung das Verhältnis
der Längen in der tatsächlichen Aussprache (bei Manger kommt das
annähernd hin).
Lange Vokale des Standardhochdeutschen werden
im westlichen und südlichen Ruhrgebiet oft verkürzt: „Farratt“
(„Fahrrad“), „Bannoff“ („Bahnhof“), „Vatta“
(„Vater“), „Omma“ („Oma“). Zum westfälischen Sprachraum
hin immer stärker gedehnt, mit Übergang zum ehemals
Niedersächsischen Sprachraum des Münsterlandes schließlich
deutlich überdehnt.
Umgekehrt gibt es im lexikalischen
Bereich und bei den Wortzusammenziehungen eine größere Zahl von
Lautumgebungen, bei denen an der Silbengrenze auf einen Kurzvokal ein
stimmhafter Konsonant, geschrieben als Doppelkonsonant, folgt. Eine
solche Aussprache widerspricht den Regeln der
Laut-Buchstaben-Beziehungen des Standarddeutschen, nach denen auf
Kurzvokale zwischensilbisch in aller Regel stimmlose Konsonanten
folgen. Einige Beispiele für diese Eigenart im Ruhrdeutschen (und
teilweise in anderen norddeutsch geprägten Regiolekten und
Mundarten): habbich (habe ich), abknibbeln (mit den Fingernägeln
entfernen, z. B. ein Etikett), Dubbels (zusammengeklappte
Butterbrote), aufribbeln (verstrickte Wolle zwecks Wiederverwendung
wieder aufräufeln), feddich (fertig), wadde ma (warte mal), Mudder
(Mutter), Maggarine (Margarine), krijjich (krieg’ ich), marrich
(mach ich), fisseln (in feinen Tröpfchen regnen), Dussel
(gedankenloser Mensch), Äwwinn (Erwin). Das Merkmal gilt nicht
generell: Ein norddeutsches biddee (bitte) kann im Ruhrgebiet schon
mal als bidde ausgesprochen werden, normalerweise aber sagt man
bitte.
Das Lautphänomen Kurzvokal + stimmhafter Konsonant
lässt sich beim s-Laut mit der üblichen nicht-lautschriftlichen
Rechtschreibung, die sich an die deutsche Standard-Orthographie
anlehnt, nicht adäquat wiedergeben: -ss- ist nach neuer
Rechtschreibung immer stimmlos, in Wörtern und Kombinationen wie
Massel, Brassel, fisseln, isser (ist er), Schussel, Dussel, musser
(muss er), krüsselich (kraushaarig) u. v. a. wird es im
Ruhrdeutschen aber stimmhaft gesprochen. Würde man umgekehrt -ß-
für alle stimmlosen s-Laute einsetzen, entstünden Schwierigkeiten
bei der Lesbarkeit (?bißße = bist du?), zumal -ß nur noch nach
Langvokalen benutzt werden soll. Damit verbundene Schwierigkeiten
lassen sich anhand der Präsenskonjugation von sein verdeutlichen,
wenn zu Zwecken der Demonstration einmal konsequent -ß für
stimmloses und -s- für stimmhaftes -s- benutzt wird: da binnich –
da bißße – da isser – da ißßse – da sinnt wer (sinn wer) –
da seiter (seider) – da sinnt se (sinn se). Ohne Lautschrift ist
das nicht lösbar. Ähnliche Probleme gibt es bei allen Dialekten und
Regiolekten.
In einer Reihe von Wörtern tritt -pf- als -pp-
auf: Zieh den Kopp ein. – Ich hab rechts en Gips un kann nur noch
auf eim Bein hüppen. – Kannze dat noch innen Koffer
reinstoppen?
Im westfälisch geprägten, östlichen Randgebiet
des Ruhrgebiets wird „ch“ nach vorderem Vokal + vokalisiertes „r“
(Kiache) häufig wie im Westfälischen als velarer Reibelaut wie in
ach ausgesprochen, während es im Hochdeutschen als stimmloser
palataler Frikativ erscheint.
Häufig wird im westfälischen
Teil des Ruhrgebiets der Buchstabe „l“ im Auslaut wie im
englischen „well“ velar , das heißt als hartes „l“
ausgesprochen. Auch diese Ausspracheerscheinung ist im gesamten
westfälischen Sprachraum verbreitet.
Besonders die
letztgenannten Ausspracheerscheinungen sind den Menschen im mittleren
und westlichen Ruhrgebiet vollkommen fremd und ein deutliches Zeichen
für die immer noch feststellbare, als fließender Übergang zu
verstehende Sprachscheide zwischen dem Westfälischem und dem
Rheinischen. So liegt der Übergang vom Niederfränkisch
beeinflussten r nach vorderem Vokal zum Westfälischen stimmlosen
palatalen Frikativ deutlich östlich der als ehemalige Sprachgrenze
vorgeschlagenen Einheitsplurallinie bei Essen-Werden
(„Deilbachlinie“).
Die oft als typisch ruhrdeutsch
angesehene Aussprache des auslautendes „g“ als [ç] (Ich-Laut) in
Wörtern wie König, wenig ist allerdings hochsprachlich richtig.
Abweichungen von der Hochsprache ergeben sich etwa bei Wörtern, wo
das Endungs-g einem r folgt und es im westlichen Teil wie ein [ç]
ausgesprochen wird, wie beispielsweise in Duisburg, Hamburg,
Nürnberg. Auch hier benutzten ältere Sprecher im östlichen
Ruhrgebiet statt des palatalen [ç] häufiger den velaren ach-Laut.
Im Übrigen wird endsilbisches „-g“ auch dort generell als [ç]
ausgesprochen, wo dies standardsprachlich nicht möglich ist: wechtun
(weglegen, wegstellen), Fußweech (Fußweg); mööchlich, Anzuch,
waach et nich! usw. Die schriftliche Wiedergabe durch „-ch“
widerspricht der Orthographieregel der Wortbildkonstanz (wagen –
wag es nicht!), anders ließe sich jedoch die von der
Standardaussprache abweichende Lautung nicht wiedergeben.
Ebenfalls
deutlich abweichend von der hochdeutschen Aussprache: Tag = Tach (mit
kurzem a), sag = sach (ebenso), mag = mach (ich mach keine
Erbsensuppe), Krieg = Kriiech (mit im Vergleich zu Hochsprache
tendenziell etwas langgezogenem „i“).
Bei einer Reihe von
häufig gebrauchten Wörtern entfallen die Endkonsonanten: au (auch),
maa (mal, beides kombiniert in auma), do (doch), nich oder ni (nicht)
und andere. Dazu gibt es eine Reihe von lustig gemeinten
Sprachspielen (Satz mit wammamaa und hattata? Wammama auf Schalke,
hattata gereechnet!), aber auch alltägliche Muster wie annä donnich
(ach nee, doch nicht), kumma (kuck mal) oder waddema eemt (warte mal
eben).
In einigen Ortsbezeichnungen und Eigennamen tritt das
sogenannte Dehnungs-e auf, das auch im Rheinland auftritt. Es führt
nicht zur Umlautung des Vokals davor, sondern zu seiner längeren
Aussprache. Oer-Erkenschwick spricht sich wie „Ohr-E.“ und nicht
„Öör-E.“ Analog dazu: Gelsenkirchen-Buer, Duisburg-Baerl,
Bochum-Laer u. a. Das Dehnungs-e ist auch im Münsterland verbreitet
(Coesfeld), (Raesfeld) und kommt sogar in Ostbelgien vor
(Welkenraedt) oder Raeren.
Bier:
Das Ruhrgebiet und insbesondere Dortmund war für seine Brauereien bekannt. Mittlerweile sind fast alle Brauereien geschlossen, wenn auch die bekannten Markennamen teilweise weitergeführt werden. Hingegen weist das Ruhrgebiet zahlreiche kleinere Privatbrauereien in den Städten auf, so zum Beispiel die Brauerei Fiege in Bochum oder die Brauerei Stauder in Essen.
Fussball:
Der Fußballsport hat im Ruhrgebiet eine wichtige soziale und integrative Funktion. Die beiden größten Vereine sind Borussia Dortmund und der FC Schalke 04. Das Aufeinandertreffen dieser beiden Vereine gilt als ein Höhepunkt der Saison und wird, wie alle Spiele zwischen Ruhrgebietsvereinen, als „Revierderby“ bezeichnet. Der BVB und der FC Schalke sind zusammen mit dem MSV Duisburg Gründungsmitglieder der Fußball-Bundesliga. Der VfL Bochum ist einer der ältesten heutigen Bundesligavereine (Gründungsjahr 1848) im Ruhrgebiet. Das berühmte Tor bei der Weltmeisterschaft 1953 hat ein Essener, Helmut Rahn (Rot Weiss Essen), erzielt. Neben diesen Vereinen existiert eine Vielzahl anderer erfolgreicher Klubs in allen Ligen; zudem besitzt das Revier unzählige Amateur- und Hobbyvereine. Viele dieser Vereine haben ihren Ursprung bei Werksmannschaften von Hütten und Zechen.
Einen einheitlichen Fußballverband Ruhrgebiet gibt es nicht. Die Vereine des Ruhrgebiets sind in den entsprechenden Verbänden Fußballverband Niederrhein mit Sitz in Duisburg oder Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen in Kamen eingegliedert.
Etwa 3,1 Millionen zugelassene Kraftfahrzeuge waren im Jahr 2002 im Ruhrgebiet gezählt. Diese können auf 4.700 km überörtlichen Straßen fahren. Weil sich jedoch Stadt-, Regional- und Fernverkehr insbesondere zu den Hauptzeiten des Berufsverkehrs überlagern, kommt es häufig zu Staus. Diese sollen in Zukunft durch fortschrittliche Verkehrsinformationssysteme wie OLSIM, Ruhrpilot und dem RVR-Projekt Informationssystem Verkehr Ruhrgebiet vermieden werden.
Die Hauptachsen des Kraftfahrzeugverkehrs in Ost-West-Richtung bilden die drei Autobahnen A2, A42 und A40. Letztere wird inklusive ihres weiteren Verlaufs in Dortmund über die B1 aus historischen Gründen regional auch immer noch „Ruhrschnellweg“ nach einem zum Zeitpunkt der Eröffnung der ersten Autobahnen bereits fertiggestellten Straßenbauprojekt genannt. Gleichwohl ist er spöttisch auch für seine Beinamen „Ruhrschleichweg“ oder „der längste/größte Parkplatz des Ruhrgebiets“ bekannt, da er eine der Straßen mit dem bundesweit höchsten Verkehrsaufkommen ist und durch tägliche Verkehrsstaus geprägt ist.
Daneben verlaufen als Nebenachsen von Nord nach Süd die Autobahnen A1, A3, A43, A45 und A 59, die insbesondere für Pendler zur Landeshauptstadt Düsseldorf bedeutsame A52, A535 und die B227.
Natur:
Seit Beginn der Kohlekrise im Jahr 1957 befindet sich das Ruhrgebiet in einer anhaltenden Phase des Strukturwandels, der von wirtschaftlichen Anpassungsschwierigkeiten gekennzeichnet ist. Mittels staatlicher Subventionen versuchte man die negativen Folgen zu begrenzen. Steinkohleförderung und Stahlindustrie waren stark rückläufig. 2009 gab es im Ruhrgebiet nur noch vier fördernde Bergwerke, nämlich West, Prosper-Haniel, Auguste Victoria und Ost. Hinzu kommen drei Kokereien: die Kokerei Prosper in Bottrop, die Kokerei Schwelgern in Duisburg und die Hüttenwerke Krupp Mannesmann.
Bergbau findet heute vor allem in den Randzonen des nördlichen Ruhrgebiets statt. Der Steinkohleabbau hatte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Nordwanderung die Lippe erreicht und zum Teil bereits überschritten, noch in den 1980er Jahren wurden Pläne betrieben von der Zeche Radbod in das südliche Münsterland nördlich von Hamm vorzustoßen. Auch westlich des Rheins am Niederrhein wird noch Kohle gefördert. In der Emscherzone sind die Zechen inzwischen stillgelegt. Zwischen 1980 und 2002 ging etwa die Hälfte der eine Million Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe verloren, während etwa 300.000 Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor geschaffen wurden.
In der Ruhrzone ist der Strukturwandel schon vollzogen. Die meisten Zechen einschließlich aller Kleinzechen an der Ruhr wurden bis 1930 stillgelegt. Heute ist das Ruhrtal ein Naherholungsgebiet.
Seit Mitte der 1990er Jahre wird die Emscher, lange der kanalisierte Abwasserkanal des Ruhrgebiets, renaturiert.
Die Internationale Bauausstellung Emscher Park (IBA) war von 1989 bis 1999 im Ruhrgebiet tätig und versuchte den Strukturwandel zu begleiten. Dabei wurden etwa zweieinhalb Milliarden Euro in die Region investiert und Industriebrachen von stillgelegten Bergwerken, Kokereien und Stahlwerken als Industriedenkmäler erhalten und neue Nutzungsmöglichkeiten entwickelt, wie der Emscher Landschaftspark. Ähnlich ist die Hütte Duisburg-Meiderich als Landschaftspark Duisburg-Nord umgenutzt worden, der stillgelegte Gasometer Oberhausen wurde zur Ausstellungshalle umfunktioniert. Weitere Beispiele für neue Nutzungen sind der Nordsternpark in Gelsenkirchen, der Bottroper Tetraeder, die Essener Schurenbachhalde, der Duisburger Innenhafen, die Jahrhunderthalle in Bochum und der Phoenix-See in Dortmund.
Der erste Motorrroller:
Der vermutlich erste Motorroller – damals „Motorläufer“ genannt – deutscher Produktion wurde 1919 von der Firma Krupp in Essen herausgebracht; dieser einsitzige Kleinroller von nur 130 cm Gesamtlänge hatte Vorderradantrieb.
Wirtschaft:
Mit dem Strukturwandel verlor das gewinnende und produzierende im Ruhrgebiet an Bedeutung, allerdings haben auch heute noch Montanunternehmen wie die RAG Aktiengesellschaft, Degussa oder ThyssenKrupp ihren Sitz und größte Produktionsstandorte im Ruhrgebiet. Der Anteil der Beschäftigten im primären und sekundären Sektor lag 2007 noch bei 28%.
Der Dienstleistungssektor ist mit den Konzernzentralen von Energie- und Wasserversorgern wie der RWE und E.ON Ruhrgas und Handelskonzernen wie der Aldi-Gruppe, Deichmann, Douglas Holding oder Tengelmann ebenfalls stark vertreten. Außerdem gibt es in den häufig als Fußgängerzonen ausgewiesenen Innenstädten und den Einkaufszentren Ruhr-Park Bochum, Uni-Center, RheinRuhrZentrum und CentrO zahllose Einzelhändler. Die Kombination von Innenstadt und Einkaufszentrum wagt die Stadt Essen mit dem Einkaufszentrum Limbecker Platz (Einkaufszentrum) in der westlichen Innenstadt.
Auch zahlreiche Unternehmen der Logistikbranche haben ihren Sitz oder Standorte wegen der guten infrastrukturellen Anbindung im Ruhrgebiet.
Insgesamt ist bei der Verwaltung des Ruhrgebiets besonders auffällig, dass die meisten Verwaltungsstrukturen sich im Wesentlichen auf die historisch-politische Gliederung der preußischen Provinzen Rheinprovinz und Westfalen beziehen, sodass von einer einheitlichen Verwaltung des Ruhrgebiets zurzeit noch nicht gesprochen werden kann.

Arbeitslosigkeit:
Nach wie vor gilt das Ruhrgebiet als eine strukturschwache Region. Die Gesamtarbeitslosenquote des Ruhrgebiets 2009 liegt bei etwa 12,1 Prozent und ist damit unter den regionalen Großräumen die höchste der westdeutschen Bundesländer. Auch die Arbeitslosenquoten einzelner Städte in der Kernzone des Ruhrgebiet gehören zu den höchsten der „alten“ Bundesländer: Im Bezirk Duisburg beträgt die Arbeitslosenquote etwa 14,3 Prozent, in Dortmund etwa 14,0 Prozent, in Essen etwa 13,1 Prozent und in Gelsenkirchen zirka 15,9 Prozent (alle Arbeitslosenquoten Stand Dezember 2009.
Die „Route der Industriekultur“, die ähnlich den in Deutschland bekannten Wein- oder Burgenstraßen konzipiert ist, steuert die wichtigsten industriegeschichtlichen Stätten des Ruhrgebiets an und dient als Ausgangsbasis für die Vermarktung des Ruhrgebiets als Tourismusregion.
Einige Attraktionen an der Ruhr:
Weltgrößtes Bergbau-Museum in Bochum
CentrO. Einkaufszentrum in Oberhausen
Limbecker Platz in Essen
Grillo Theater in Essen
Aalto-Theater in Essen
Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg
Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen in Bochum
Museum Folkwang in Essen
Ludwig-Galerie im Schloss Oberhausen
Starlight Express in Bochum
Stratmanns Theater Europahaus in Essen
Mondpalast in Herne
uvm.
Die Zeche und Kokerei Zollverein in Essen wurde
2001 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Essen war 2010
stellvertretend für die Region europäische Kulturhauptstadt. Mit der
Eröffnung der Kulturhauptstadt 2010 wurde das Ruhrlandmuseum als
Ruhr Museum in der ehemaligen Kohlenwäsche der Weltkulturerbes
Zollverein neu eröffnet. Die Ruhrtriennale, die Ruhrfestspiele, die
ExtraSchicht und ähnliche Großveranstaltungen zeugen von einer
lebendigen Kulturszene im Ruhrgebiet. Aufgrund der hohen Dichte
kultureller Einrichtungen bewarb sich das Ruhrgebiet unter Führung
der Stadt Essen erfolgreich als Kulturhauptstadt Europas 2010: Die
Kraft von RUHR.2010 ist die Fähigkeit zum Wandel durch Kultur. Die
Kulturhauptstadt Europas präsentiert das Ergebnis eines mehrjährigen
und tief greifenden Wandlungsprozesses des Ruhrgebiets. Hunderte
Kulturinstitutionen, Künstler und Kulturschaffende in der Metropole
Ruhr sind seit Jahren die Basis dieses Wandels und bilden eine der
reichsten Kulturlandschaften Europas. RUHR.2010 zeigt anhand
ausgewählter Projekte den erreichten Stand und ist ein vorläufiger
Höhepunkt der stetigen Entwicklung. Das Ziel ist, durch gezielte
Auswahl von Projekten das dauerhafte Kulturangebot weit über 2010
hinaus in Europa zu etablieren. Mit der Kraft der Kulturhauptstadt
Europas setzt das Ruhrgebiet seinen Aufbruch fort.
Interessante Fakten (nicht chronologisch):
Das Wort „fringsen“ für Mundraub begehen entstand aus der Sylvesterpredigt des Jahres 1946 des Kölner Kardinals Frings. Danach nannte man in Köln und später in ganz Deutschland das „Organisieren“ von Lebensmitteln und Heizstoffen „fringsen“ (mit weichem „s“ gesprochen), dazu siehe auch Kohlenklau.
80.000 v. Chr. - Die Region des heutigen Ruhrgebiets wird bereits zur Zeit des Neandertalers vor rund 80.000 Jahren besiedelt. Beim Bau des Rhein-Herne-Kanals werden 1911 in Herne Steinwerkzeuge und Lagerspuren mit Knochen von Wollnashorn, Wisenten und Mammut gefunden. Auch an anderen Stellen lagerten Menschen im Emschertal. Weitere Funde aus den 1960ern belegen dies für Bottrop.
100 v. Chr. - Verdrängung der keltischen Bewohner aus dem späteren Ruhrgebiet durch die germanischen Sugambrer.
110 - Die Colonia Ulpia Traiana, nahe dem heutigen Xanten, erhält römisches Stadtrecht.
740 - Vermutliche Anlage des Königshofes Duisburg
863 - Normannen überwintern auf der Bislicher Insel bei Xanten und zerstören die Kirche des Ortes. Die Bislicher Insel ist heute ein beliebter Motorradtreff
1850 – Erbauung und in Betriebnahme der Gaststätte „Haus Buschmann“ (heute „Distel“, unsere Stammtischkneipe) von dem aus Essen zugewanderten Josef Denneborg. Folgender Spruch gilt auch heute noch:
Fuhrleute halt !
Bier schön kalt !
Schnaps echt alt !
Bei Buschmann am Eck
Hat's Halten noch Zweck !
Kraftfahrer, erst ölen
Maschinen und Kehlen !
Denn es läuft erst der Wagen,
Wenn auch gestärkt ist der Magen !
Das ist alte Art
Gut Fahrt !
870 - wird in Essen die Stiftskirche des vom sächsischen Adligen Altfrid begründeten Damenstifts geweiht.
1296 - Erster urkundlicher Beleg für Kohlebergbau in Dortmund.
1350 - Die mittelalterliche Pestwelle erreicht die Ruhrregion.
1541 - In Wesel wird der Buchdruck eingeführt. Zwei Jahre darauf folgen Werke aus Dortmund, das zu einem wichtigen Zentrum des Druckwesens im 16. Jh. wird.
1561 - In Duisburg wird im Oktober Agnes Muiseltz der Hexerei verdächtigt, gefoltert und in der Ruhr der Wasserprobe unterzogen.
1580 - Die Hexenprozesse im Vest Recklinghausen erreichen 1580 und 1581 einen Höhepunkt. Hinrichtungsstätten sind auf dem Segensberg in Hochlar und auf dem Stimberg in der Haard bei Oer. 44 Personen, überwiegend Frauen, werden auf Scheiterhaufen verbrannt. Im Märkischen Witten werden zur selben Zeit sechs Frauen und ein Mann Opfer des Hexenwahns.
1587 - Das niederländisch besetzte Ruhrort wird im Achtzigjährigen Krieg von spanischen Truppen belagert und erobert.
1598 - Die Spanier verlegen Truppen ins Vest Recklinghausen und die Grafschaft Mark. Von General Francisco de Mendoza und seinen 24.000 Soldaten wird unter anderem Recklinghausen eingenommen. 1599 bringt er seine Truppen bei Dortmund unter, das Umland wird geplündert. Während des Achtzigjährigen Krieges der Niederlande sind die angrenzenden Gebiete des Niederrheins und Westfalens immer wieder von Zügen spanischer wie niederländischer Truppen betroffen. Castrop hat beispielsweise stark unter den Plünderungen zu leiden.
In Holzwickede erscheint der fortgeschrittene Bergbau urkundlich, als Drost Bernhard von Romberg mit dem Kallberg sampt dem Erftstollen (Erbstollen) belehnt wird.
1620 - Die Gewehrproduktion, der bedeutendste Essener Gewerbezweig dieser Zeit, erreicht mit einer jährlichen Produktion von annähernd 15.000 Gewehren und Pistolen ihren Spitzenwert. Noch wird an den Kriegsvorbereitungen gut verdient.
1648 - Der Westfälische Friede wird unterzeichnet. Damit werden sowohl der Dreißig-, wie der Achtzigjährige Krieg formal beendet. Doch bleibt die mitunterzeichnende Reichsstadt Dortmund noch zwei weitere Jahre, bis zur Zahlung hoher Geldsummen, von schwedischen und kaiserlichen Truppen besetzt. Auch am Niederrhein werden noch lange niederländische Truppen präsent sein.
1655 - Nach vorläufiger Übernahme des Herzogtums Kleve lässt der Kurfürst von Brandenburg in Duisburg eine Universität errichten.
1716 - Der Ruhrorter Magistrat beschließt den Bau eines Hafens. Die Keimzelle der Duisburg-Ruhrorter Häfen entsteht.
1736 - In Holzwickede nimmt der Caroliner Erbstollen den Kohleabbau auf und beliefert die Saline Königsborn.
1736 - Essens erste Zeitung erscheint. Unter dem Titel Neueste Essendische Nachrichten von Staats- und Gelehrten Sachen wird sie vom Buchdrucker Johann Heinrich Wißmann herausgebracht. 1775 übernimmt Zacharias Gerhard Diederich Baedeker die Druckerei und den Verlag.
1738 - das Märkische Bergamt wird in Bochum gegründet. Zu den größten Stollenzechen der Grafschaft Mark zählt die Zeche „Glückauf“ in Gennebreck mit 17 Beschäftigten.
1769 - Erstmals erscheinen die Dortmundischen vermischten Zeitungen, herausgegeben von einem Mitglied der Essener Buchdruckerfamilie Baedeker ist dies die erste Zeitung in der Stadt.
1780 - Die letzte von 16, durch Preußen in Auftrag gegebenen, Ruhrschleusen wird fertiggestellt, die Ruhrschifffahrt dient bis gegen Ende des 19. Jh. vor allem dem Transport von Kohle. An der Ruhr wird im ausgehenden 18. Jh. die Kohle in Stollenbergwerken abgebaut. Ein frühes Beispiel ist die Zeche Humboldt in Mülheim an der Ruhr.
1782 - Gründung der Hütte Gute Hoffnung in Sterkrade.
1802 - Im August besetzen preußische Truppen die Territorien von Essen und Werden. Nach einem Geheimabkommen mit Frankreich sind sie als Entschädigung für verlorene linksrheinische Gebiete gedacht.
1804 – Das Ruhrgebiet zählt 229 Zechen mit einer Förderung von 380 000 Tonnen.
1803 - Reichsdeputationshauptschluss, im Zuge der Säkularisation werden die geistlichen Territorien Reichsabtei Werden und Stift Essen aufgelöst. Die Gebiete gehen endgültig an Preußen. Herzog Ludwig-Engelbert von Arenberg erhält als Entschädigungsland für sein linksrheinisches Fürstentum unter anderem das Vest Recklinghausen.
1806-1813 - Von Oktober 1806 bis 18. November 1813 existiert das Napoleonische Großherzogtum Berg mit dem Ruhrdepartement, dessen Präfektur sich in Dortmund befindet. Als Präfekt des Ruhrdepartements wird Freiherr Gisbert von Romberg zu Brünninghausen eingesetzt.
1808 - Napoleon erlässt am 12. Dezember 1808 von Madrid aus ein Decret, das Leibeigenschaft und Hörigkeit abschafft.
1811 - In Essen begründet Friedrich Krupp eine Gussstahlfabrik. In Mülheim begründet Johann Dinnendahl eine Dampfmaschinenwerkstatt, die Keimzelle der späteren Friedrich Wilhelms-Hütte.
1815 - Beschlüsse des Wiener Kongress, Preußen erhält seine Besitzungen in Westfalen und am Rhein zurück, dazu noch das einstige Herzogtum Berg und die Gebiete der vormaligen Reichsstadt und Grafschaft Dortmund. Damit sind alle Territorien um Ruhr, Emscher und Niederrhein in einer Hand vereinigt. Sie gehören nun der preußischen Provinz Westfalen und der Rheinprovinz an.
1816 - Das Jahr ohne Sommer (am 25. Juni fällt sogar Schnee) bringt Hunger.
Erfindung der „Laufmaschine zum Ersatz für Pferde“ durch Karl Drais (Das erste Motorrad)
1819 - Friedrich Harkort gründet auf der Burg in Wetter an der Ruhr seine Mechanischen Werkstätten und lässt Dampfmaschinen produzieren.
1828 - Franz Haniel eröffnet in Ruhrort eine Werft für den Bau von Dampfschiffen.
1838 - Die Gesellschaft der Hardenbergischen Kohlebergwerke ist die erste Aktiengesellschaft im Ruhrgebiet.
1839 - Nach dem preußischen Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in den Fabriken beträgt das Mindestalter für Kinderarbeit neun Jahre, die Arbeitszeit ist auf zehn Stunden täglich beschränkt. An Sonn- und Feiertagen und nachts dürfen Kinder nicht zur Arbeit eingesetzt werden.
Auf der Gutehoffnungshütte wird eine erste Dampflokomotive gebaut.
1844 – Die Werkssiedlung Eisenheim wird errichtet.
1846 - Mülheim an der Ruhr erhält das Stadtrecht.
Über den Schächten der Tiefbauzechen errichtete man Ende des 19. Jh. Malakow-Türme, hier der der Zeche Julius-Philipp im Bochumer Süden
1889 - Aufruf zum Bergarbeiterstreik
1869 - Der Industrielle Alfred Krupp lässt sich im Essener Süden die schlossartige Villa Hügel errichten. Im Grundbuch der Stadt lässt er das Anwesen als Einfamilienhaus mit Garten eintragen. Vier Jahre später wird der Bau fertiggestellt.
1847 - Eröffnung der Köln-Mindener Eisenbahn. Sie ist maßgeblich für die industrielle Entwicklung des Ruhrgebiets und führt, dem Tal der Emscher folgend, über Duisburg, Oberhausen, Altenessen, Gelsenkirchen, Herne, Castrop und Dortmund, von dort weiter nach Hamm über Bielefeld bis Minden.
Noch während des Baus der Eisenbahn im nördlichen Ruhrgebiet interessieren sich die Kölner Bankhäuser Camphausen und Schaafhausen für das daraus resultierende Wachstumspotential im Emscherland. Der Cölner Bergwerksverein wird als eine frühe Aktiengesellschaft des Ruhrbergbaus gegründet und lässt Bergwerke im nördlichen Essen abteufen, darunter die Zeche Carl. Transportweg der Zukunft ist die neue Bahntrasse.
1847 - Auf der Steele-Vohwinkler Eisenbahn fährt der erste Dampfzug durch das Ruhrtal.
1849 - Im Ruhrgebiet wird erstmals die Stahlproduktion mit Kokskohle in der Friedrich Wilhelms-Hütte in Mülheim durchgeführt.
1856 - Eine rechtsrheinische Eisenbahnstrecke verbindet Oberhausen und das niederländische Arnheim.
1867 - August Thyssen gründet mit mehreren Verwandten in Duisburg das Eisenwerk „Thyssen-Foussol & Co“.
1870-1871 - Der Deutsch-Französische Krieg wird von den verbündeten deutschen Staaten gewonnen. Gründung des Deutschen Reichs.
1874 - Oberhausen erhält am 10. September Stadtrecht.
1875 - Gelsenkirchen erhält das Stadtrecht.
1892 - Das Grillo-Theater wird in Essen eröffnet.
1897 - erhält Herne das Stadtrecht.
1898 - die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) werden gegründet.
1899 - Die Emschergenossenschaft wird gegründet, um die Kanalisierung und Tieferlegung der Emscher vorzunehmen. Die Regelung der Abwasserprobleme bis etwa 1910 war Voraussetzung für das weitere Wachstum der Industrieregion.
Der Dortmund-Ems-Kanal wird eröffnet. Zur Einweihung des Dortmunder Hafens und des Schiffshebewerks Henrichenburg reist Wilhelm II. an. Dem Kanal kommt besondere Bedeutung für den Transport von über den Seeweg importierten Erzen zu, die mit der Kohle des Ruhrgebiets verhüttet werden.
1905 - In einem ruhrgebietsweiten Streik erreichen die Bergleute eine Begrenzung der täglichen Arbeitszeit auf 8½ Stunden.
Zwecks Erweiterung des Duisburger Hafens werden Ruhrort und Meiderich auf Wunsch der preußischen Regierung nach Duisburg eingemeindet.
1912 - Bergarbeiterstreik im gesamten Ruhrgebiet. Als Antwort lässt Kaiser Wilhelm Militär aufziehen. Die Arbeiter geben angesichts der kaiserlichen Gewaltbereitschaft auf.
In Mülheim an der Ruhr wird das Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung gegründet.
Das Stadttheater Duisburg wird eröffnet.
1914 - Eröffnung des Rhein-Herne-Kanals, der zum meistbefahrenen Binnenkanal in Europa wird. Er stellt die Verbindung vom Rhein und dem Duisburger Hafen zu einem bis Herne führenden Stichkanal des Dortmund-Ems-Kanals her.
1914-1918 - Erster Weltkrieg, im Hungerwinter 1916/17 ist die Lebensmittelversorgung im Kaiserreich katastrophal. Insbesondere im Ballungsraum des Ruhrgebiets leiden die Menschen darunter.
Notgeld der Stadt Bochum von 1923
1919 - Bottrop und Gladbeck erhalten durch Erlass des Preußischen Staatsministeriums vom 21. Juli die Stadtrechte.
1920 - Ruhraufstand in Folge des Kapp-Putsches. In Mengede und Ickern werden erste Arbeiter-Bataillone für den Ruhrkampf aufgestellt. Die Arbeiter sympathisieren mit der anarcho-syndikalistischen Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD).
1921 - Französische und belgische Truppen besetzen am 8. März Duisburg. Die Sanktionsmaßnahme ist unmittelbare Folge der Pariser Konferenz, bei der Deutschland zur Zahlung von Reparationen aufgefordert wird.
1923 - Von Duisburg aus wird am 10./11. Januar mit der Besetzung des restlichen Ruhrgebiets begonnen (Ruhrbesetzung). In Duisburg rufen Separatisten des Rheinischen Unabhängigkeitsbunds im Oktober die „Rheinische Republik“ aus, doch wird ihr Bestreben im November von den Besatzungstruppen beendet. Die Finanzierung der Abwehr der Ruhrbesetzung durch die Regierung Cuno ist eine der Ursachen der einsetzenden Hyperinflation.
Der Ruhrindustrielle Fritz Thyssen beginnt mit einer massiven finanziellen Unterstützung der NSDAP. Als Gegenleistung wird er schließlich umfangreiche Rüstungsaufträge für sein Unternehmen vom Naziregime erhalten.
Französische Truppen verlassen im Oktober 1924 Dortmund
1929 - Der Volkspark Grugapark wird als Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung eröffnet.
Der Oberhausener Gasometer als größter Gasbehälter Europas fertiggestellt. Er ist bis in die Gegenwart weithin sichtbares Symbol der Industrieregion im Emschertal.
1933 - Nationalsozialistische Machtergreifung, die Steinwache in Dortmund wird Foltergefängnis der Gestapo.
1938 - Während der Novemberpogrome werden die Synagogen der meisten Ruhrgebietsstädte zerstört, so die Alte Synagoge in Dortmund. Die Konstruktion der Synagoge in Essen ist so stabil, dass es unmöglich ist sie zu sprengen, ohne die umliegenden Gebäude zu gefährden, daher bleibt der Bau erhalten, obwohl sein Inneres verwüstet und verbrannt wird.
1939 - Der Zweite Weltkrieg wird am 1. September begonnen.
1943 - Alliierte Luftangriffe auf das Ruhrgebiet zerstören in einigen Städten wie Dortmund und Duisburg die Wohnbebauung zu mehr als 65%. In Essen ist es noch mehr als die Hälfte der Wohnhäuser. Tausende Menschen verlieren ihr Leben. Die Innenstadtbereiche entlang der Hellwegzone liegen nahezu vollständig in Trümmern.
Am 18. Mai 1943 wird die Möhnetalsperre von der britischen Luftwaffe bombardiert. Eine Flutwelle rast als Folge des Staumauerbruchs die Täler von Möhne und Ruhr hinab, über 1.000 Menschen kommen in den Fluten um.
Bereits während der Teheran-Konferenz wird deutlich, welche Bedeutung die Alliierten dem Ruhrgebiet bei einer Neuordnung Deutschlands nach Kriegsende zumessen. Nach dem Vorschlag Franklin D. Roosevelts käme die Industrieregion, unabhängig von anderen deutschen Teilstaaten, unter internationale Verwaltung.
1944 - Der Morgenthau-Plan wird in den Vereinigten Staaten diskutiert. Ihm zufolge wäre das Ruhrgebiet nach Kriegsende, neben einem Norddeutschen und einem Süddeutschen Staat, eine internationale Zone unter Verwaltung der UNO. Industrieanlagen drohte die Demontage, verbunden mit einem Verbot einer Reindustrialisierung.
1945 - Der Ruhrkessel fordert kurz vor Ende des Kriegs noch etwa 105 000 Tote.
Am 11. April wird der Rüstungsindustrielle Alfried Krupp von Bohlen und Halbach von amerikanischen Truppen in der Villa Hügel unter Arrest gestellt.
Während der Potsdamer Konferenz besprechen Winston Churchill und Josef Stalin einen Austausch von Ruhrkohle aus der englischen Besatzungszone gegen Lebensmittel aus der sowjetischen Zone. Gleichzeitig werden Reparationsleistungen in Form industrieller Ausrüstung des Ruhrgebiets festgelegt. Stalin und Truman sind sich einig, dass das Ruhrgebiet ein Teil Deutschlands bleibt, entgegen den Wünschen Frankreichs, das einen staatlichen Sonderstatus für die Industrieregion fordert.
1946 - Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen, auf dessen Gebiet das gesamte Ruhrgebiet liegt, durch die britische Militärregierung. Damit sind die Pläne Frankreichs einen Sonderstatus für das Ruhrgebiet einzuführen durch politische Tatsachen verhindert. Auch der alternative Vorschlag Stalins von Potsdam, einen Viermächtestatus für die Region einzuführen ist damit obsolet.
1946/ 47 - Der Hungerwinter trifft die Bevölkerung des Ruhrgebiets besonders hart. Tausende Städter unternehmen Hamsterfahrten zu den bäuerlichen Regionen des Umlands.
Die für den Wiederaufbau Deutschlands entscheidende Montanindustrie des Ruhrgebiets stand 1949 unter Kontrolle der internationalen Ruhrbehörde.
1954 - Als erste deutsche Stadt rationiert Duisburg den Parkraum. Am 4. Januar 1954 werden in der Straße „Am Buchenbaum“ 20 so genannte Parkographen installiert.
In Oberhausen finden zum ersten mal die Westdeutschen Kulturfilmtage statt.
1955 - Duisburg und Düsseldorf gründen die Deutsche Oper am Rhein. Sie entwickelt sich zu einer der renommiertesten Opernbühnen Deutschlands. In Dortmund wird das bis dahin älteste steinerne Rathaus in Deutschland abgerissen.
In Gelsenkirchen wird zur Bergung verschütteter Bergleute die Dahlbuschbombe entwickelt.
1956 - erreichen die Kohleförderung mit 124,6 Mio. Jahrestonnen und die Zahl der Beschäftigten mit 494.000 Kumpel im Ruhrbergbau ihren Höhepunkt.
1957 - startet der Unternehmensverband Ruhrbergbau unter dem Titel "Vita Nuova presso l'industria mineria di carbon fossile nella Germania Occidentale" eine Werbekampagne in ländlichen Regionen Italiens zur Anwerbung von Arbeitskräften.
An der Sternwarte Bochum empfängt im Oktober Heinz Kaminski, erstmals außerhalb der Sowjetunion, die Funksignale des ersten künstlichen Satelliten Sputnik 1.
1958 - Honda stellt das bis heute meist produzierte Motorradmodell der Welt, die Honda Super Cup, vor. Mit einer Stückzahl von über 60 Millionen Moppeds liegt sie noch vor Käfer und Co. auf Platz 1.
1959 - In Bonn protestieren Bochumer Bergarbeiter gegen den Import billiger amerikanischer Kohle. Das Zechensterben beginnt.
1962 - Eröffnung eines Opel-Zweigwerkes in Bochum. Die Duisburger Mercatorhalle wird festlich eröffnet. Die Stadt Oberhausen feiert 100. Geburtstag.
Der Schriftsteller Max von der Grün veröffentlicht seinen ersten, die Arbeitswelt der Bergleute des Ruhrgebiets thematisierenden Roman Männer in zweifacher Nacht.
1963 - Die deutsche Bundesliga startet mit drei Vereinen aus dem Ruhrgebiet: Schalke 04, Meidericher SV (heute: MSV Duisburg), Borussia Dortmund
1965 - Die Ruhr-Universität Bochum wird eröffnet. Bundesgartenschau in der Essener Gruga.
Die Nordrhein-Westfälische Landesregierung unter Franz Meyers hat ernste Pläne zur Bildung eines Regierungsbezirkes Ruhrgebiet. Mit dem Regierungswechsel im darauffolgenden Jahr wird die Idee nicht weiterverfolgt.
1969 - Die Ruhrkohle AG wird gegründet.
1974 - Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Es finden WM-Spiele in den neuerrichteten Stadien Parkstadion in Gelsenkirchen und im Westfalenstadion in Dortmund statt.
1975 - Der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) verliert durch Landesgesetz die Planungshoheit über das Ruhrgebiet. Die Kommunalen Neugliederung verschafft Bochum und Duisburg Gebietszuwächse: Bochum erhält Wattenscheid, Duisburg Rheinhausen, Homberg und Walsum. Herne und Wanne-Eickel schließen sich zusammen. Hamm wird durch die Neugliederung zur Großstadt. Aus den Kreisen Dinslaken, Moers und dem südöstlichen Teil des Kreises Rees wird der Kreis Wesel gebildet.
Ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster beendet den Streit um das im Zuge der Kommunalen Neugliederung gebildete Glabotki. Der Zusammenschluss von Bottrop, Gladbeck und Kirchhellen wird für nichtig erklärt, Gladbeck wird Teil des Kreises Recklinghausen.
1976 - Helmpflicht im Straßenverkehr für Fahrer und Beifahrer von Krafträdern und offenen drei- oder mehrrädrigen Kraftfahrzeugen ohne Sicherheitsgurte.
1979 - Aus dem Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) wird der Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR). Zum ersten Mal wird im Ruhrgebiet Smogalarm am 17. Januar ausgelöst.
1981 - Erster Tatort mit Horst Schimanski löst Proteste in Duisburg aus.
1986 - Im Mai kommt es zu einem schweren Störfall im Kernkraftwerk Hamm-Uentrop, eine radioaktive Wolke zieht von Hamm über das Ruhrgebiet. Die Betreiber versuchen den gefährlichen Unfall zu vertuschen. In Essen wird man auf die hohe Strahlung aufmerksam, da wegen der Tschernobyl-Katastrophe regelmäßige Messungen der Becquerelwerte stattfinden.
Das letzte Essener Bergwerk wird geschlossen.
1989 - Anfang des Jahres werden erste deutsche Internetanschlüsse in Betrieb genommen. Führend beteiligt ist das Projekt EUnet der Universität Dortmund. Als erste der mittlerweile über 10 Millionen .de-Domains wird die Domain uni-dortmund.de registriert.
1995 - Das Ruhrgebiet wird Teil der neu definierten Europäischen Metropolregion Rhein-Ruhr.
Der letzte Standort der Britischen Rheinarmee in Dortmund, die Suffolk Barracks, wird am 17. November geschlossen.
1996 - Am 11. September 1996 wird das Einkaufszentrum CentrO in Oberhausen eröffnet. Es ist Kernstück der Neuen Mitte auf dem Gelände der einstigen Gutehoffnungshütte und ein sichtbares Zeichen des Strukturwandels im Ruhrgebiet.
2004 - Der Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) wird durch den Regionalverband Ruhr (RVR) abgelöst. Dieser besitzt auf Druck der Ruhrgebietsstädte wieder erweiterte Rechte und hat jetzt z.B. die Befugnis sogenannte Masterpläne zu erstellen.
Start des Umbaus des Emschersystems zum unterirdischen Emscherkanal.
Die Adam Opel AG plant, auch in Bochum mehrere tausend Arbeitsplätze abzubauen. Ein Streik der Belegschaft gegen den Willen der IG Metall und gegen ihren eigenen Betriebsrat legt die europäische Produktion für kurze Zeit still. Am 19. Oktober versammeln sich auf dem Platz am Schauspielhaus 25.000 Menschen zu einer spontanen Solidaritätskundgebung.
2005 - Einführung von Hartz IV. Fast 1 Mio. Menschen im Ruhrgebiet sind betroffen.
Von den Parteien der nordrhein-westfälischen Regierung wird die Bildung eines Regionalpräsidiums Ruhrgebiet angekündigt. In Duisburg und seinen Nachbarstädten Mülheim an der Ruhr, Oberhausen und Bottrop finden die 7. World Games statt.
2006 - Essen wird stellvertretend für das Ruhrgebiet zur Kulturhauptstadt 2010 gewählt. Dortmund und Gelsenkirchen sind Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.
2007 - Im Januar verständigt sich die Regierungskoalition des Bundes auf eine Einstellung der Subventionen für den deutschen Steinkohle-Bergbau im Jahr 2018. Unter gleichzeitigem Verzicht auf Strukturhilfen des Bundes für das Ruhrgebiet wird die Nordrhein-Westfälische Landesregierung die Unterstützung für den Bergbau bereits 2015 abbrechen. Die im Landeshaushalt freiwerdenden Gelder sollen laut Erklärung von Lutz Lienenkämper, dem wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU Fraktion des Landtags, ausdrücklich nicht allein in den Strukturwandel des Ruhrgebiets fließen.
Der Landtag verabschiedet das Gesetz zur Übertragung der Regionalplanung für die Metropole Ruhr auf den Regionalverband Ruhr. Die Planungsaufgaben werden von den drei bisher zuständigen Regierungspräsidien übertragen.
In Essen findet im August die Loveparade statt. Die erste Veranstaltung nach dem Umzug der Parade von Berlin ins Ruhrgebiet steht unter dem Motto Love Is Everywhere.
2008 – Das Nokia-Werk Bochum wird geschlossen.
Die Loveparade feiert in Dortmund mit 1,6 Millionen Teilnehmern einen Besucherrekord.
2009 – Gründung Motorradfahrer-Ruhrgebiet
Gründung des Bikerstammtisches westliches Ruhrgebiet
Bedingt durch die Finanzkrise muss General Motors im Februar Insolvenz anmelden. Opel ist von der Zahlungsunfähigkeit des Automobilkonzerns betroffen. Zeitweilig wird eine Schließung des Bochumer Standortes erwogen. Im Januar 2010 wird der Erhalt der Werke im Ruhrgebiet bekanntgegeben.
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Am 21. Oktober übernimmt der Regionalverband Ruhr wieder die Regionalplanung für das Ruhrgebiet, wie sie der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk schon seit der Gründung 1920 bis 1975 wahrgenommen hatte. Damit ist diese Aufgabe nach 34-jähriger Dreiteilung unter den Regierungsbezirken Arnsberg, Düsseldorf und Münster wieder zentral im Ruhrgebiet angesiedelt.
Es fördern noch vier Bergwerke: Bergwerk West, Bergwerk Prosper-Haniel, Bergwerk Auguste Victoria und Bergwerk Ost.
2010 – Essen und das übrige Ruhrgebiet veranstalten RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas. An der Eröffnungsfeier am 9. Januar auf dem Gelände der Zeche Zollverein nehmen unter anderem Bundespräsident Horst Köhler und José Manuel Barroso, Präsident der Europäische Kommission, teil. Das Leitprojekt Still-Leben auf der A 40 besuchen am 18. Juli 2010 geschätzt mehrere Millionen Menschen und feiern ein Fest der Alltagskulturen.
In Abwesenheit des EU-Kommissars für Energie, Günther Oettinger, beschließt die Europäische Kommission am 20. Juli den Vorschlag für eine Verordnung über staatliche Beihilfen zur Erleichterung der Stilllegung nicht wettbewerbsfähiger Steinkohlebergwerke die eine Ende 2010 auslaufende Verordnung ersetzen soll. Der Entwurf sieht die Stilllegung aller betroffenen Bergwerke bis Oktober 2014 vor.
Die im Rahmen der RUHR.2010 stattfindende Loveparade 2010 in Duisburg auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes Duisburg Gbf endete in einem Unglück, bei dem in einer Unterführung 21 Menschen ihr Leben verloren und 511 zum Teil schwer verletzt wurden.
In Hamm schließt mit dem Bergwerk Ost, der ehemaligen Zeche De Wendel beziehungsweise Zeche Heinrich-Robert das letzte Steinkohlenbergwerk des östlichen Ruhrgebiets. Die Stilllegung erfolgte am 30. September ohne Festakt, da die Stilllegung kein Grund zum Feiern sei. Ursprünglich war sie schon neun Monate früher geplant, jedoch musste die Zeche noch Produktionsausfälle des Bergwerkes Saar auffangen. Hamm ist nach 109 Jahren keine Bergbaustadt mehr, in der Region Hamm waren auf dem Höhepunkt des Steinkohlenbergbaues mehr als 40000 Menschen im Bergbau beschäftigt.
Es fördern noch drei Bergwerke: Bergwerk West, Bergwerk Prosper-Haniel und Bergwerk Auguste Victoria.
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Quellen: Wikipedia.de; Distel-Oberhausen.de; Blick zurück nach vorn, 1996 Krupp AG; ruhrgebiet-regionalkunde.de
